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HMTM

Hochschule für Musik und Theater München
Körperschaft des Öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung (Art. 4 Abs. 1 BayHIG)

Vertretungsberechtigte

Präsidentin Prof. Lydia Grün
Arcisstraße 12
80333 München
E-Mail: info@hmtm.de
Telefon (Zentrale): +49 89 289-03
Fax: +49 89 289-27419
hmtm.de

USt-IdNr gemäß § 27a UStG DE811335517

Medien
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  •  | Thomas Rösling

Kunst – Erinnerung – Demokratie

Die HMTM an der Arcisstraße 12

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist eine der bedeutendsten und vielfältigsten Ausbildungsstätten für Musik-, Tanz- und Theaterberufe in Europa mit fünf Standorten mitten in der internationalen Kulturmetropole München. Der Hauptstandort der HMTM ist der Campus Arcisstraße. Hier kreuzen sich wichtige historische, gesellschaftliche, stadtpolitische sowie unzählige biografische Linien: Das Hauptgebäude an der Arcisstraße 12 ist einer der zentralen Repräsentationsbauten des nationalsozialistischen Regimes, ein Täterbau, von dem aus unvorstellbares Leid in die Welt gebracht wurde. Damit ist der Bau heute ein Kristallisationspunkt im Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Seit 1957, nachdem das Gebäude für die Nutzung durch die HMTM stellenweise umgebaut wurde, ist das Baudenkmal vor allem ein Ort der Musik , der Vielfalt und der internationalen Begegnung. Für die HMTM ist der Campus Arcisstraße ein Standort, der verpflichtet: Aus der Verortung an der Arcisstraße 12 ergibt sich ein umfassender Bildungsauftrag sowie eine fundamentale Verantwortung für die Kunst und Kultur von morgen in einer demokratisch verfassten Gesellschaft.

Wir stehen für KunstErinnerungDemokratie.















Kunst

Musik, Tanz und Theater sind Zeitkunst. Sie entstehen direkt im Moment, im Austausch mit dem Publikum. Daher sind die Bühnen der HMTM – im Gebäude Arcisstr. 12, aber auch in der Luisenstraße 37a oder am Gasteig HP8 – ein essentieller Lernraum für die Künstler*innengeneration von morgen. Öffentliche Veranstaltungen sind dabei ein wesentlicher Bestandteil des Studiums: In bis zu 900 Veranstaltungen pro Studienjahr (darunter Konzerte, Musiktheaterproduktionen, Wettbewerbe, Tanzperformances, Klanginstallationen, Konferenzen u.v.m.) sammeln Studierende die nötige Bühnenpraxis für ihr späteres Berufsleben und machen ihre Prüfungen. Besonders fördert die HMTM interdisziplinäre und innovative künstlerische Formate.

Erinnerung

Erinnerungsarbeit ist ein expliziter Teil des Selbstverständnisses und des Bildungs- und Forschungsauftrags der HMTM. Gerade der Campus Arcisstraße ist ein lebendiger, zukunftsgerichteter Ort für Musik . Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes und mit Verfolgung, Diskriminierung und antidemokratischen Entwicklungen zieht sich durch alle Bereiche der HMTM. Künstlerische Praxis, Wissenschaft und Forschung gehen Hand in Hand: Bei Konzerten, Wettbewerben, Performances oder Konferenzen wird die interdisziplinäre Wirksamkeit von Kunst und Wissenschaft erlebbar. Auch in die pädagogischen und medialen Projekte der HMTM fließt die Erinnerungsarbeit ein.

Demokratie

Die HMTM ist ein Ort für Demokratie: Sie ist eine international ausgerichtete und weltweit vernetzte Kunsthochschule. Sie ist ein Bildungsort, ein Haus der Wissenschaft und Forschung und des hochbegabten künstlerischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Nachwuchses. Hier leben Experiment und Avantgarde, Impulse, Diskurse und Dialog. Gerade in Zeiten des Wandels und multipler Krisen ist die HMTM damit ein Ort, an dem Zukunft gebaut wird. Hier entsteht Kunst als die ureigenste Form des menschlichen Miteinanders, wird Musik als soziale Kommunikation praktiziert. Durch den Transfer dieser Entwicklungen in die Gesellschaft fördert die HMTM die Zukunft von Kunst und Kultur und damit das demokratische Miteinander.

Ein Ort für Musik

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Studierende

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Lehrende

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Nationen

Die HMTM zählt zu den bedeutendsten und vielfältigsten Ausbildungsstätten für Musik-, Tanz- und Theaterberufe in Europa. In einem international geprägten Umfeld an fünf verschiedenen Standorten mitten in der Kulturmetropole München lernen rund 1.400 Studierende aus etwa 65 Nationen – von der Hochbegabtenförderung für Kinder und Jugendliche bis zur Promotion. Etwa 500 Lehrende begleiten die Studierenden durch vorwiegend Einzel- und Kleingruppenunterricht auf ihrem individuellen Weg hin zu einer selbstbewussten, aufmerksamen und gestaltenden Künstler-, Pädagogen- und Forscherpersönlichkeit. Career Services, Angebote im Bereich Kunst und Gesundheit oder Gründungsförderung runden das Profil der HMTM ab.

hmtm.de

Erinnerungsarbeit in den Künsten

Die HMTM befähigt ihre Studierenden, sich künstlerisch mit Themen der Erinnerungsarbeit auseinanderzusetzen. Dies geschieht im Zusammenklang von künstlerischer Lehre und Forschung. So entsteht eine reflektierte, wissenschaftsbasierte künstlerische Praxis, die sich auch in pädagogischer Wirkung niederschlägt.

Musiktheater im Reaktor: »Der Kaiser von Atlantis« von Viktor Ullmann Der Tod will nicht mehr. Und nimmt damit dem Kaiser Overall, der den »großen segensreichen Krieg aller gegen alle« ausrufen ließ, mit einem Streich seine Macht. Wer soll den Kaiser von Atlantis noch fürchten, wenn niemand mehr sterben kann? Entstanden 1943 im Lager Theresienstadt, entwirft »Der Kaiser von Atlantis« von Viktor Ullmann und seinem Librettisten Peter Kien eine visionäre Parabel des Widerstands, die heute neue Aktualität erlangt: ein Plädoyer für den Frieden und die Autonomie des Menschen gegen den totalitären Machtanspruch von unberechenbaren Herrschern.

Im »Musiktheater im Reaktor« erarbeiten Studierende der Gesangsklassen der HMTM jedes Jahr ein bedeutendes Musiktheaterwerk einer anderen Epoche. 2026 befragen sie den »Kaiser von Atlantis«, wie Entscheidungen, Verantwortung und Mitgefühl von Menschen in einem dynamischen System auf die Probe gestellt werden. Zahlreiche Workshops, Hintergrundgespräche und die Reise einiger Studierenden nach Theresienstadt vertiefen das Verständnis für dieses besondere musikalische Ereignis im April und Mai 2026.





»Klingende Stolpersteine« – ein Musikvermittlungsprojekt am Gymnasium Gröbenzell Ein Stolperstein unterbricht den gleichgültigen Schritt – ein klingender Stolperstein unterbricht das Schweigen und macht Vergessenes hörbar. Unter diesem Leitgedanken entstanden im Rahmen der Wissenschaftswoche des Gymnasiums Gröbenzell vom 13. bis 17. April 2026 Erinnerungsmosaike, die Geschichte in Klang verwandelten. Acht Schüler*innen der elften Klassen des Gymnasiums, begleitet von Studierenden des Fachbereichs Musikvermittlung sowie Lehrenden der HMTM näherten sich gemeinsam anhand historischer Quellen und Impulsvorträge zunächst den Funktionen von Musik im Konzentrationslager Dachau – und damit zugleich der Frage, was es bedeutet, verantwortungsvoll mit Geschichte umzugehen. Im Zentrum stand das Spannungsfeld, das Musik in den nationalsozialistischen Lagern aufspannte: als Mittel der Selbstbehauptung und des Überlebens auf der einen, als Instrument der Kontrolle und Demütigung auf der anderen Seite. Das Projekt verband wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung zu musikalischer Erinnerungskultur auf eine Weise, die neue Begegnungsräume entstehen ließ: zwischen professionellen Musiker*innen, Schüler*innen, Musiklehrkräften, Studierenden und Lehrenden der HMTM – und nicht zuletzt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

»Research Concert: Musikexil in Italien während der NS-Zeit« Das Konzertprogramm umfasste Kompositionen von Franz von Hoesslin, Jan Meyerowitz, Wolfgang Jacobi und Heinrich Schalit, die zwischen 1933 und 1938 im italienischen Exil entstanden sind. Es handelt sich um selten aufgeführte Werke, in denen unterschiedliche stilistische Strömungen – vom Spätromantischen bis zum Neoklassischen – zum Ausdruck kommen. Die Auswahl der Werke erfolgte im Rahmen des Forschungsprojekts »Musikerexil in Italien«. Im Zentrum des Projekts steht Italien als Zufluchtsland für deutsche und österreichische Musikerinnen und Musiker während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Untersucht werden ihre Biografien mit dem Ziel, zu klären, ob und in welchem Rahmen sie in Italien musikalisch tätig waren, in welchen Kontexten sich diese Aktivitäten entfalteten, welche Beziehungen sie zu italienischen Künstlerinnen und Künstlern sowie zu Behörden pflegten und schließlich, ob und ab wann sie politischer oder »rassischer« Verfolgung ausgesetzt waren.

Das Konzert bildete zugleich die künstlerische Auftaktveranstaltung des Langzeitforschungsprojekts »NS-Verfolgung und Musikgeschichte«.

»Korrespondenzen« von Francesca Berardi



In ihrem Projekt »Korrespondenzen« stellt sich Francesca Berardi die Frage, wie Musik als Medium der Versöhnung und des Dialogs fungieren kann. Basierend auf einem Briefwechsel zwischen Wiard Raveling und dem Philosoph Vladimir Jankélévitch zum Holocaust verhandelt »Korrespondenzen« die Themen Schuld, Versöhnung und kollektive Verantwortung. Dieses Konzertprojekt lädt dazu ein, »in einer Welt, in der die Gleichgültigkeit überhandnimmt, unser Verantwortungsbewusstsein zu wecken«, so Francesca Berardi. Der Beitrag wurde im Rahmen des hochschulinternen Wettbewerbs »XPLORE_Wettbewerb für neue Konzertformate« im Juni 2025 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Mitschnitt auf YouTube ansehen

»Das gibt's nur einmal« von Fernanda von Sachsen



Lieder wie »Ein Freund, ein guter Freund« oder »Irgendwo auf der Welt« sind Evergreens, die auch heute viele Menschen mitsingen können. Aber wer weiß, wer sie geschrieben hat? Werner Richard Heymann (1896–1961) war Dirigent und Komponist mit ungeheurem Schaffensdrang. Als jüdischer Musiker wurde er jedoch von den Nationalsozialisten verfolgt und ging im April 1933 ins Exil. Im Jahr 1951 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte in München. Sängerin Fernanda von Sachsen, die aktuell Jazz-Komposition an der HMTM studiert, und Jazz-Pianistin und Komponistin Marina Schlagintweit, Alumna des Jazz Instituts der HMTM, arrangieren in ihrem Projekt Heymann-Klassiker neu und auf ganz eigene Art für ihr Quartett. Aufgeführt wurde das Programm »Das gibt’s nur einmal« u.a. beim Workshop Concert des Jazz Instituts im März 2025.



»music matters«



Im Fokus des Hochschulwettbewerbs »music matters« steht die künstlerische Präsentation im Spiegel aktueller gesellschaftlicher Fragen, wie Diversität und Erinnerungskultur. Der Wettbewerbsbeitrag setzt sich daher aus einem künstlerischen Vortrag und einer Moderation zusammen. Neben Werken aus drei verschiedenen Epochen müssen die teilnehmenden Studierenden auch ein Werk eines*r Komponist*in, die*der im Nationalsozialismus verfolgt oder ins Exil gezwungen wurden, präsentieren. Seit 2025 findet der Wettbewerb für Studierende der HMTM jährlich statt, immer für drei andere Kategorien ausgeschrieben.



»Fakt/Fake«



Die Kamera gleitet durch die Flure und den Lichthof des Hauptgebäudes der HMTM in der Arcisstraße 12 – doch irgendwie erscheint alles wie eine Kulisse: die Säulen tragen nichts, das Geländer ist aus Pappe, die Treppe ist aufgemalt …

Ab dem Sommersemester 2024 setzten sich Studierende am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten von Prof. Uta Graff an der Technischen Universität München (TUM) und Studierende der Kompositionsklasse von Prof. Jan Müller-Wieland an der HMTM mit dem Hauptgebäude der HMTM auseinander. Ab Wintersemester 2024/25 kamen noch Studierende von Prof. Christian Rein, Kameraabteilung der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), hinzu. Das Kooperationsprojekt wurde von der Baureferentin der HMTM, Dipl.-Ing. Edda Reisinger, und dem Leiter des Ben-Haim-Forschungszentrum der HMTM, Dr. Tobias Reichard, begleitet. Am Ende entstanden fünf Kurzfilme, die Ende Januar 2025 im Kino Audimax der HFF gezeigt wurden.







»s p u r e n«



»Spuren« befragte im Rahmen der Münchner Biennale für neues Musiktheater im Jahr 2022 das Thema »Good Friends« in den Kellerräumen der HMTM in der Arcisstrasse 12 auf seine Vieldeutigkeit und Ambivalenz: Ein verwinkeltes Wegesystem führt durch Maschinenräume und dekadente Versorgungskeller des ehemaligen »Führerbaus«. Ursprünglich zum Schutz für Menschen gebaut, wurde der Luftschutzbunker gegen Ende des zweiten Weltkriegs als Lagerraum für hunderte Kunstwerke für den »Sonderauftrag Linz« umfunktioniert. »Spuren« ist eine musiktheatrale Erkundung, deren Stabilität permanent von Verzweigungen, Sackgassen und Richtungsänderungen unterwandert wird. Im Labyrinth entlarvt sich die vermeintlich helfende und schutzbietende Geste eines Systems, das den Menschen Zugehörigkeit, Wohlstand und Aufstieg verspricht, als perfider Schachzug eines grausamen menschenverachtenden Regimes.

»Der Zitherspieler« – Zum 120. Geburtstag des Hitler-Attentäters Georg Elser



Georg Elser versuchte am 8. November 1939 in München, Hitler, Göring und Goebbels zu töten. Das Attentat scheiterte knapp. Elser wurde auf der Flucht festgenommen und am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet. Da er sich weder in Briefen noch in Tagebüchern zu seiner Tat geäußert hat, stützt sich das kollektive Gedächtnis auf nachträgliche Erinnerungen von Zeitzeugen und auf die Verhörprotokolle der Gestapo: Quellen, die wenig Rückschlüsse auf die historische Figur zulassen und möglicherweise Verfälschungen enthalten.

Wie im Leben bleibt Georg Elser daher auch in der musikalischen Bühnenaktion »Der Zitherspieler« wortlos. Seine Stimme übernimmt die Zither, jenes Instrument, das er von 1926 bis zu seinem Tod spielte. Auf der Bühne sind zwei Akteure zu erleben: der Zitherspieler und eine Schauspielerin. Die Textcollage besteht aus Zeitzeugenberichten, Verhörprotokollen und anderen Textfragmenten. Die Musik besteht aus zwei Ebenen: dem Liveklang der Zither, die die Komposition »Jeshimon« des Komponisten Peter Kiesewetter zum Klingen bringt, und Zuspielungen, die die Szenerie zusätzlich mit Geräuschen und Klängen aufladen. An der HMTM wurde die interdisziplinäre Produktion im Januar 2022 mit Studierenden aufgeführt.







»ODEON-Konzerte«

Im Rahmen der ODEON-Konzerte treten regelmäßig Studierende und Lehrende der HMTM gemeinsam in der Allerheiligenhofkirche auf. Mit dem Namen »ODEON-Konzerte« erinnert die Reihe an das im Zweiten Weltkrieg zerstörte ODEON-Gebäude, das nicht nur einen legendären Konzertsaal mit bester Akustik beherbergte, sondern auch bis 1944 die Vorgängerinstitutionen der HMTM.

Ziel der Reihe, die in Kooperation mit EUROPAMUSICALE umgesetzt wird, ist es zum einen, Kammermusik auf höchstem Niveau aufzuführen, zum anderen, verfemte oder unbekannte Münchner Komponist*innen hörbar zu machen.



Erinnerungsarbeit in der Forschung

Wissenschaftliche und künstlerische Forschung gehören zu den Kernaufgaben der HMTM. Das umfangreiche und wachsende Forschungsprofil der HMTM umfasst – neben vielen anderen Bereichen – insbesondere die Schwerpunkte Musik und Diktatur, jüdische Musik und jüdische Musikschaffende in Bayern, Musik vergessener und verfolgter Komponist*innen, Musik und ihre Interpretation im gesellschaftlichen Kontext. Forschung an der HMTM ist dabei anwendungsorientiert: Forschungsergebnisse finden direkten Niederschlag in künstlerischer Praxis und pädagogischem Wirken.

Ben-Haim Forschungszentrum Das Ben-Haim-Forschungszentrum am Musikwissenschaftlichen Institut der HMTM untersucht die Geschichte und die Musik verfolgter Komponist*innen sowie die jüdische Musikkultur in ihrer ganzen Vielfalt vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus mit Schwerpunkt im süddeutschen Raum. Die Forschungsarbeit des Zentrums wird durch Lehr-, Vortrags- und Publikationstätigkeit ergänzt. Reichhaltiges Quellenmaterial hält das Zentrum insbesondere zu Paul Ben-Haim (1897-1984) und Wolfgang Jacobi (1894-1972) vor, zwei Musikerpersönlichkeiten, deren Geschichte eng mit unserer Hochschule verknüpft ist. Die Leitung des Zentrums hat Dr. Tobias Reichard inne.

»NS-Verfolgung und Musikgeschichte« Welche globalen Konsequenzen hatte die Verfolgung von Musiker*innen durch das nationalsozialistische Regime? Insgesamt 18 Jahre lang wird sich das Langzeitforschungsvorhaben »NS-Verfolgung und Musikgeschichte« genau mit dieser Frage beschäftigen. Ziel ist es, die Musikgeschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der NS-Verfolgung zu revidieren und zu vervollständigen.

Das Projekt steht unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Friedrich Geiger, Professor für Historische Musikwissenschaft am Musikwissenschaftlichen Institut und Forschungsdekan der HMTM, und ist ein Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, das in Kooperation mit der Universität Hamburg und der HMTM durchgeführt wird. Bis zum Ende des Förderzeitraums am 31. Dezember 2042 stehen Fördermittel in Höhe von 7,9 Millionen Euro zur Verfügung.



Jüdisches Musikleben in Bayern 1930–1950 »Insel«, »Oase«, »Zuflucht«, »Hort des Widerstands«, »Gefängnis«, »geistiges Ghetto« … Nahezu sämtliche zeitgenössischen Berichte zum jüdischen Musik- und Theaterleben im Nationalsozialismus sind von derartigen Raummetaphern durchzogen. Semantiken des Abgeschlossenen und Beengten, aber auch der Entgrenzung und des Rückzugs stehen in ihrer Raumbezogenheit stellvertretend für jüdische Alltagserfahrungen in der NS-Diktatur.

Jüdisches Musikleben im Nationalsozialismus war auf verschiedenen Ebenen erheblich durch räumliche Rahmenbedingungen geprägt, die bislang kaum erforscht wurden. Diesen Rahmenbedingungen am Beispiel Bayerns nachzugehen, die relevanten Quellen grundlegend zu erschließen und aufzubereiten sowie nach dem Erkenntnisgewinn einer für räumliche Zusammenhänge sensibilisierten Musikgeschichtsschreibung zu fragen, sind die Ziele des Forschungsprojekts. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für drei Jahre bis März 2028 mit einer Gesamtsumm von 465.000 Euro gefördert und wird von Dr. Tobias Reichard geleitet.



NS-verfolgte Künstler*innen an HMTM und AdBK München Die Akademie der Bildenden Künste München (AdBK) und die HMTM forschen in einem gemeinsamen Projekt zu NS-verfolgten Künstler*innen an ihren Institutionen. Dies ist die erste systematische und wissenschaftliche Aufarbeitung von Biografien der Künstler*innen, die durch den hohen Verfolgungsdruck an den Münchener Akademien für Bildende Kunst und für Tonkunst ausgeschlossen, verdrängt und ermordet wurden.



Das gemeinsame Forschungsprojekt wird in zwei Teilprojekten ausgestaltet: Im Teilprojekt der HMTM geht es um verfolgte Mitglieder der Akademie der Tonkunst München, der Vorgängerinstitution der heutigen HMTM. Hier arbeitet seit 2025 Leon Zmelty, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen Institut der HMTM, betreut von Dr. Tobias Reichard vom Ben-Haim-Forschungszentrum.



Im Fokus des Teilprojekts an der AdBK steht die Ermittlung und Erforschung von im Nationalsozialismus verfolgten Hochschulangehörigen an der Akademie der Bildenden Künste und der Kunstgewerbeschule München sowie verfolgten Kunstschaffenden aus deren Umfeld. Umgesetzt wird das Teilprojekt von Beo Tomek, seit 2023 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie von Prof. Dr. Maria Muhle. BR-Interview mit Leon Smelty



Die Forschung zur NS-Verfolgung von Musiker*innen wird mit dem Projekt NS-Verfolgung und Musikgeschichte auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Die Kooperation von Universität und Musikhochschule gewährleistet den produktiven Austausch zwischen Wissenschaft und künstlerischer Praxis. Für beide Bereiche ist genaueres Wissen über die Dimensionen der Zerstörung und ihre langfristigen globalen Konsequenzen nötiger denn je – gerade angesichts zunehmender Bedrohung durch autoritäre Regime.

Prof. Dr. Friedrich Geiger, Projektleiter und Leiter der Arbeitsstelle an der HMTM

Campus in einzigartiger Nachbarschaft

Der Campus Arcisstraße führt in seiner einzigartigen Nachbarschaft gesellschaftliche Verantwortung mit kulturellen und technischen Entwicklungen zusammen. Ausgehend von der Nutzung für Musik und Kunst durch die Hochschule für Musik und Theater München folgten wichtige Institutionen an den Campus Arcisstraße: Im Jahr 2011 wurde das Generalkonsulat des Staates Israel mitten auf dem Campus eröffnet, im selben Jahr folgte die Eröffnung des Neubaus der Hochschule für Fernsehen und Film in direkter Nachbarschaft. Im Jahr 2013 konnte der Neubau des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst eröffnet werden, 2015 wurde das NS-Dokumentationszentrums neben dem Campus Arcisstraße eingeweiht. 2016 folgte schließlich der Bezug einzelner Gebäude am Campus durch die acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.



Starker Partner im Kunstareal

Der Hauptstandort der HMTM am Campus Arcisstraße liegt in herausragender Lage zwischen Königsplatz und Karolinenplatz im Herzen des Kunstareals München. einem der größten Kulturcluster in Europa. Mit 18 Museen, 6 Hochschulen sowie 15 Kulturinstitutionen und Galerien auf einer Fläche von nur 500 x 500 Metern vereint es auf einzigartige Weise Kunst, Kultur und Wissenschaft – und ist damit eine vielfältige Quelle für Kooperationen und Verbundprojekte für die HMTM. Bisher wurden z.B. Projekte in den Bereichen Komposition und Neue Musik, Konzertdesign, Musik und Diktatur oder KI und neue Technologien im Kunstareal umgesetzt. Höhepunkt der Zusammenarbeit ist das alle zwei Jahre stattfindende Kunstarealfest, bei dem sich auch Studierende der HMTM präsentieren.

Im Jahr 2023 lobte das Kunstareal den Ideenwettbewerb »Open Kunstareal« aus, um die öffentlichen Freiflächen für Anwohnende, Studierende und Besuchende attraktiver zu gestalten. Im April 2024 sprach sich eine Fachjury für die Umsetzung des Konzepts »Kunstgarten« des Pariser Landschaftsarchitekturbüros Atelier Roberta aus. Der »Kunstgarten« will die parkähnlichen Qualitäten des Areals stärken und durch gezielte Vegetationsverdichtung, Akzentuierung des Eingangssituationen, flexible Möblierung und Pavillons einen neuen, identitätsstiftenden Stadtraum schaffen. Eine zukunftsträchtige Entwicklung – auch für den Campus Arcisstraße der HMTM.





Ein Ort mit Geschichte

Am Campus Arcisstraße der HMTM kreuzen sich wichtige historische, gesellschaftliche, stadtpolitische und unzählige persönliche und biografische Linien. Wichtige Meilensteine im Überblick.
1889: Palais Pringsheim
Wohnort der Akademikerfamilie Pringsheim. Hier wuchs Katharina Pringsheim, die spätere Ehefrau von Thomas Mann auf. Auf Druck der Nationalsozialisten musste die Familie das Gebäude 1933 verkaufen.
1933: Abriss und Baubeginn
Noch im November 1933 wurde das Palais Pringsheim abgerissen. Von 1933 bis 1937 wurde stattdessen der sogenannte »Führerbau« nach Plänen des Architekten Paul Ludwig Troost in der Arcisstraße 12 als Repräsentationsbau für den Diktator Adolf Hitler errichtet.
1937: Einweihung des sogenannten »Führerbaus«
Abnahme von Paraden durch Adolf Hitler, Unterzeichnung des Münchner Abkommens (29.9.1938), Kulturempfänge der Nationalsozialisten, Lagerung von hunderten von Bildern (überwiegend Raubkunst).
ab Mai 1945: Central Collecting Point
Nutzung durch die US-Militärregierung (zusammen mit dem Verwaltungsbau) als Zentrale Sammelstelle (Central Collecting Point) für die während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten in ganz Europa geraubte Beutekunst.
1948: Amerikahaus
Im Juli Einzug des Amerikahauses: hiermit begann die kulturelle Umnutzung des Gebäudes zum Zweck demokratischer Bildung. Das Angebot umfasste eine Bibliothek mit 36.000 Bänden, einen Zeitschriftenlesesaal, eine Kinderbücherei, eine Schallplatten- und eine Filmabteilung. Dazu kamen ein Konzertsaal, mehrere Vortrags- und Unterrichtsräume sowie großzügige Ausstellungsflächen.
1957: Einzug der HMTM
Auszug des Amerikahauses in ein neues Gebäude am Karolinenplatz, Einzug der Hochschule für Musik (heute: Hochschule für Musik und Theater München); seitdem haben hier tausende Musiker*innen studiert, ihre Bühnendebüts gefeiert und internationale Beziehungen gepflegt. Für Münchner*innen ist das Gebäude der Arcisstraße 12 ein Ort der Musik, mit zahlreichen Konzerten, meist bei freiem Eintritt.
2011: Eröffnung des GKI des Staates Israel
Im Jahr 2011 wurde neben der bereits existierenden Botschaft in Berlin das Generalkonsulat des Staates Israel in München eröffnet, mitten auf dem Campus Arcisstraße. Es handelt sich um das einzige israelische Generalkonsulat in der Europäischen Union.
2015: Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums
Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums in direkter Nachbarschaft zum Campus Arcisstraße
2016: Eröffnung des acatech Forums am Karolinenplatz
Die acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, eröffnet ihr Forum auf dem Campus Arcisstraße
ab 2019: Campus Arcisstraße
Nutzung der weiteren Gebäude auf dem Campus Arcisstraße zum Üben, Lernen und Proben sowie als Büros für das Gründungszentrum Wavelab (ab 2022) und die Hochschulverwaltung (ab 2021)